Die Gründung
Am 12.5.1950 wurde im Genossenschaftsregister (heute: Firmenbuch) beim Handelsgericht Wien zur Zahl Gen. 32/50 (heute: FN 94110y) eine Genossenschaft unter der Firma "Gesellschaft für Wohnungseigentum registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung" mit der Geschäftsadresse Wien 1., Biberstraße 22, (Postleitzahlen kannte man im Jahre 1950 noch nicht!) eingetragen.
Zweck, zu dem die Gründung der Genossenschaft erfolgte: "ihren Mitgliedern gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen zu angemessenen Preisen zu verschaffen (§ 2 Abs.2 der Satzung).
Der 12.5.1950 ist somit der Geburtstag der WEIG, dessen 50. Wiederkehr, ein für Genossenschaften nicht alltägliches Jubiläum, wir im Jahr 2000 feierten.
WEIG ? WEIG steht für Wohnungs EIgentums Gesellschaft; diese den Umgang mit dem sprachlichen Ungetüm des Firmenwortlautes ungemein erleichternde informelle Kurzbezeichnung der Genossenschaft erblickte bereits im Gründungsjahr das Licht der Welt (der verdienstvolle Schöpfer ist leider unbekannt) und blieb bis heute erhalten.
Die Gründung der WEIG war im Jahre 1950 keineswegs ein singuläres Ereignis. Ausgelöst durch die Verabschiedung des Wohnungseigentumsgesetzes durch den Nationalrat und die Errichtung des Wohnhaus-Wiederaufbau-Fonds (WWF) beim Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau als staatliche Wohnbauförderungsinstitution im Jahr 1948 erlebte insbesondere die Stadt Wien Ende der 40er/ Anfang der 50er Jahre einen Wiederaufbau-Boom, der über ein Jahrzehnt anhielt.
Wohnbauvereine und -genossenschaften, die an diesem Boom partizipieren wollten, schossen wie die Schwammerln aus dem Boden (viele verschwanden allerdings so rasch, wie sie aufgetaucht waren, wieder von der Bildfläche), die meisten waren gemeinnützig und bewegten sich im Dunstkreis der großen politischen Parteien = ÖVP und SPÖ. Die ÖVP-nahen Vereine (Marktleader: Verein der Freunde des Wohnungseigentums) und Genossenschaften waren bestrebt, der (nicht neuen) Idee des Wohnungseigentums zum Durchbruch zu verhelfen, und bauten primär Eigentumswohnhäuser, während ihre Pendants auf SPÖ-Seite den Bau von Genossenschaftwohnungen (Nutzungsrecht) präferierten.
Nicht so die WEIG ! Sie huldigte zwar gleichfalls der Wohnungseigentumsidee (siehe Firmenwortlaut), war aber nicht gemeinnützig, was sich in den Folgejahren bitter rächen sollte, und hielt Äquidistanz zu den politischen Parteien.
Die Geschäftstätigkeit
Sehr rasch entfaltete die WEIG eine rege Kauf- und Bautätigkeit (derWWF als Finanzierungsquelle war ihr auch als nicht gemeinnütziger Genossenschaft uneingeschränkt zugänglich), akquirierte und erwarb ein Kriegsschadenobjekt nach dem anderen (1953 waren es bereits 22 !), die Wohnungswerber, die der WEIG als Mitglieder beitraten, "standen Schlange" (1953: über 500!) und mußten jeweils eine mehrjährige Wartezeit bis zur Zuteilung des (zinslosen, in 75 Jahren tilgbaren!) WWF-Darlehens (die Reihung der Anträge erfolgte nach den berüchtigten W-Nummern!), die den Baubeginn auslöste, in Kauf nehmen.
Erfolgreiche Bautätigkeit
Der Bau der Wohnhäuser schritt zügig voran, zum Jahresende 1961 waren alle von der WEIG in Angriff genommenen Wohnbauten in Wien fertiggestellt und bezogen.